Obstliebhaber
Obstliebhaber

Der Obstbaumschnitt

Da mir heuer sehr viele Fragen bezüglich des Obstbaumschnittes gestellt wurden, möchte ich ein wenig meine Erfahrungen, die ich mehr oder weniger jahrzehntelang gesammelt habe, festhalten.

Vielleicht kann ich ein paar Tipps mehr geben als im Obstratgeber, in dem ich dem wichtigen Thema Obstbaumschnitt ja nur wenige Zeilen widmete.

Eingangs möchte ich noch klarstellen, dass sich meine Ausführungen nur auf den Schnitt von Apfelbäumen beziehen, soweit ich andere Obstarten nicht ausdrücklich erwähne.

Es geht also im wesentlichen um den Schnitt von Apfelbäumen auf den Unterlagen M 9, M 26 und MM 106, also von Spidelbüschen bis hin zu stark wachsenden Buschbäumen und gehe ich von Obstbäumen aus, die in Containern geliefert wurden.

Wie bereits erwähnt schneide ich im ersten Standjahr nur Äste, die aber zur Gänze, weg, die dem ordentlichen Kronenaufbau entgegenstehen. Sonst binde ich die Äste nur in einem Winkel von 90 Grad zum Stamm hinunter, damit sie ordentlich Fruchtholz ansetzen. Auf diese Maßnahme schwöre ich, fast alle Bäume fangen mit der Methode früher zum Fruchten an. Hier muß man sich entscheiden, ob man alle Äste hinunterbindet oder den Mittelstamm nach ober wachsen läßt. Mir gefällt dieser "Pyramiden - artige" Schnitt besser, es ist aber nicht auszuschließen, dass die Bäume mehr fruchten, wenn man alle Äste hinunterbindet, da die Bäume dann eine Hohlkrone bekommen. Grundsätzlich binde ich die Äste von Anfang März bis Ende Oktober hinunter, wenn die Äste eines Jungbaumes aber extrem steil stehen, binde ich sie auch über den Winter hinunter, bei diesen elastischen und kleinen Ästen ist ein Bruch durch Schnee nicht zu befürchten.

Es gibt den Grundsatz, schneidet man nur wenig, fruchten die Bäume mehr, mit einem stärkeren Schnitt muß aber die Krone für die Zukunft des Baumes geformt werden.

Dies bedeutet, man muß bei allen Bäumen spätestens im zweiten Standjahr stärker schneiden. Da finde ich den alten Grundsatz, die Äste sollen in eine "Saftwaage" kommen, für richtig. Ich schneide die Äste dann wenig überraschend so, dass sie möglichst in die Breite gehen. Da spricht man vom "Ableiten", indem man einfach bei Astgabelungen den steileren Teil abschneidt und den flacheren stehen läßt. Zum Abschluß muß man dann meistens alle Seitenäste und den Mitteltrieb kürzen, damit eine "Saftwaage" entstehen kann.

Früher war die herrschende Meinung, man soll jedenfalls auf ein außen befindliches "Auge" schneiden. Das ist schon richtig, geht aber oft nicht auf, weil man vielleich ein Auge zerschneidet oder die Natur einen neuen Trieb an einem andern Auge enstehen läßt, was diesen Grundsatz zumindestens relativiert.

 

Ich habe bei meinigen bisherigen Ausführungen Apfelbäume ausgenommen, die man wurzelnackt pflantzt. Hier ist ein Pflanzschnitt unbedingt geboten. Ein solcher Baum verliert Wurzelmaße, wenn er in der Baumschulde aus dem Boden genommen wird und man muß auch noch jedenfalls schlecht aussehende Wurzeln wegschneiden und dann soll man beim Wurzelschnitt alle Wurzel ganz minimal anschneiden, damit eine Reizung entsteht, die dazu führt, dass die Bäume besser anwachsen. Die Äste muß man dann jedenfalls kürzen, da die doch deutlich verkleinerte Wurzelmaße den Baum in der ungeschnittenen  Größe nicht ausreichend versorgen kann. Meiner Meinung nach sollte man, wenn man schon über Schnitterfahrung verfügt, Obstbäume so pflanzen, meist fruchten Sie dann besser als Container - Obst, das ja von den Baumschulden nur in den seltensten Fällen einen Wurzel - und Pflanzschnitt erhält und oft ein Jahr in einem Container stehen, der die Wurzeln nicht entwickeln läßt.

Immer mehr Obst - Fachleute verlagern den Schnitt so weit wie möglich in den Sommer. Das gilt jetzt insbesondere für das Steinobst, welches überhaupt nur in wärmeren bzw Sommermonaten geschnitten werden sollte.

Es gilt aber auch in zunehmenden Maße für den Apfel, da die Wundheilung im Sommer wesentlich schneller vor sich geht und man erspart sich manchmal den Apfelbaum im Frühjahr stark zu schneiden und verliert keine Früchte, wenn man den Baum dann im Sommer mit den Äpfeln erst richtig schneidet, insbesondere schneidet man die steil nach stehenden Äste weg und schaut, dass die Krone luftig wird.

Klar muß bei jedem Schnitt sein, dass die Krone ausreichend luftig geschnitten wird, dass die Sonne allen, auch den unteren Ästen, Licht gibt und vor allem Krankheiten wie Pilze bzw Viren möglichst verhindert werden.

Im Winter schneide ich selten und wann, nur meine alten Halbstämme, da gehen aber die Meinungen auseinander.

Man soll auch nicht den Fehler machen, die kleinen Schnittwunden an den ohnehin schwach wachsenden Bäumen mit einem Wundkit zu behandeln, wie ich das früher tat, da kann es einem dann passieren, dass die Bäume nicht austreiben. Sie sehen, man kann auch bei gut gemeinten Maßnahmen entscheidende Fehler machen. Eine Wundversorgung ist nur bei Schnittwunden mit 6-10 cm geboten.

Ich werde diese Seite sicher immer wieder aktualisieren und würde ich mich freuen, wenn Sie vielleicht den einen oder anderen Tipp gebrauchen können.

Der wesentlichste Tipp: Wenn man wirklich den Obstbaumschnitt erlernen will, muß man die kostenlosen Kurse der Baumschule Schreiber in Poysdorf besuchen. Die sind auf der Homepage mit einem festen Termin bei jeden Wetter angekündigt und Schreiber ist mit seinen Ansichten immer am modernsten Stand. Dazu sind die zahlreichen Videos der Baumschule auf YouTube sehr zu empfehlen. Schreiber erklärt nicht nur, wie man schneiden soll, sondern auch warum, schaut Euch die Videos an!

 

Ich möchte meine Ausführungen ein wenig um die Abweichungen bei Steinobst ergänzen, wo sich die Experten einig sind, dass diese nur in der warmen Zeit bzw Sommer geschnitten werden soll.

 

Da haben wir zunächst die Pfirsiche. Den Lehrbüchern kann man entnehmen, dass sie im späten Frühling, ja auch noch im April geschnitten werden können. Der Rat aus den Büchern lautet, man soll die neuen Triebe um 50% kürzen, damit der Baum immer wieder neues Fruchtholz ansetzen kann, da Pfirsiche nur am einjährigen Holz gedeihen. Nun ich habe dies alles entsprechend den Lehrbüchern gemacht und meine Pfirsiche haben zumeist nicht wieder ausgetrieben. Ich habe von sechs angepflantzten Pfirsichen nur mehr den Baum, den ich überhaupt als ersten Baum gepflantzt habe. Es ist das ein Mamie - Ross Pfirsich, den ich nur mehr ganz vorsichtig geschnitten habe und der jetzt schöne Früchte bringt. Für Willendorf dürfte hier das Lehrbuch - Wissen nicht zutreffen. Ich rate aber niemand so kraß zurückzuschneiden.

 

Die Kirschen - Buschbäume schneidet man am besten gleich nach der Ernte und da ist es wichtig, dass man einiges beachtet. Die Kirschen - Äste haben am Ende meistens eine "Astgabelung" nach oben und nach außen. Man schneidet natürlich den steileren Teil ab, läßt aber etwa fünf Zentimeter stehen, schneidet also nicht wie beim Apfel auf Astring. Das hat den Sinn, dass eindringende Viren und Keime in dem stehen gelassenen Stück verenden und der Kirsche somit nichts anhaben können. Ich habe diese Schnitt - Anweisung selbt hinterfragt und beobachtet und sie stimmt wirklich. Man soll Kirschen auch meiner Meinung nach vorsichtig und nicht zuviel schneiden, nur soviel, dass der Baum gut durchlüftet werden kann. Die Kirsche neigt nach dem Schnitt zum Gummifluß und der sollte nicht zu stark sein.

 

Marillen schneide ich so, dass sie eine Hohlkrone bekommen und die Äste schön rechtwinkelig stehen. Man darf aber auch hier nur vorsichtig schneiden, besser Äste stehen zu steil als man greift mit dem Schnitt zu viel ein. Ganz wichtig ist, dass man nicht die kleinen Holztriebe überall an den großen Ästen wegschneidet, denn auf diesen wachsen die Marillen.

 

Alles was zur Gattung der Zwetschke gehört, schneide ich in etwa wie einen Apfelbaum, lasse die Äste aber viel steiler stehen. Bei uns in Willendorf bringen Zwetschken nur der The Czar, die Jojo und die alte Hauszwetscheke. Bei den anderen Sorten kann ich machen was ich will, die bringen keinen genügenden Ertrag.

 

Ich wüsche daher allen, die Obstbäume sorgfältig schneiden, ein gutes "Schnittjahr" 2019.

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© Walter Dreischütz