Obstliebhaber
Obstliebhaber

Standort - Voraussetzungen

Wer sich professionell mit dem Obst - und Beerenanbau beschäftigen will, muss sich darüber klar sein, welche Böden und welches Klima braucht insbesondere der Apfel, die Kirsche, die Erdbeere oder Beeren-Obst.

 

Nun, Maßstab aller Überlegungen sind die optimalen Voraussetzungen für den Obstbau in der Steiermark. Besonders für den Apfel ist hier die sogenannte "Apfelstrasse" in der Steiermark zu nennen, die ausgehend vom Apfeldorf Puch fünf Gemeinden zwischen Hartberg und Gleisdorf umfaßt. Es handelt sich um einen doch sehr engen Radius von nur 25 km. Hier finden wir vulkanische Böden, die einen hohen Humus - Anteil haben, und wo ein gemäßigtes, natürlich eher warmes Klima, mit ausreichend Regen und für den Apfel ganz wichtig, hohe Temperatur - Unterschiede zwischen Tag und Nacht herrscht. Genau in diesem Bereich wird Obstbau nur mit internationaler Konkurrenz mithalten können. Aber die Steierer gehen auch professionell mit dem Apfel um. Es gibt in dieser Region ein für Österreich einzigartiges Wissen über den Apfel. Das fängt mit Bodenkontrollen und wissenschaftlich abgestimmter Düngung an, geht mit Schnitt und Ernte weiter und dann kommt es zur selbst für ganz Europa großartigen Lagerung. Der Apfel wird nicht nur mit der richtigen Temperatur gelagert, er wird auch durch ein spezielles Verfahren in einer Art "Winterschlaf" gehalten, damit die Lagerung bis zur nächsten Ernte möglich wird. Der Transport des Apfels in den Kühlhallen erfolgt zumeist mit Wasser, da er hier maximal geschont wird. Jederzeit ist auch die sofortige Lieferung von Tonnen von Äpfeln sichergestellt, die aber noch immer handverlesen in die für die Kunden bestimmten Verpackungen erfolgt.

 

Von vier Äpfel im Handel kommen drei aus der Steiermark. Dieses Klima ermöglicht einen optimalen Zuckergehalt des Apfels, da kommt keine Region mit. Besonders toll finde ich, dass etwa 15 % der biologischen Äpfel im europäischen Handel aus der Steiermark kommt. Die Steirer sparen aber auch beim Personal aus dem Ausland nicht, daher hat der steirische Apfelbauer auch sehr hohe Personal - Kosten.

 

Das über den Apfel gesagte gilt im wesentlichen auch für Kirschen und Erdbeeren.

Was kann man als Obst - Produzent in weniger begünstigten Gegenden gegen die Steiermark tun. Man kann und muss zunächst den Boden völlig austauschen, was wir hier in Willendorf großflächig gemacht haben, um insbesondere dem Apfel, aber auch den Kirschen und Beerenobst einen optimalen Boden zu bereiten. Dann war es das aber schon. Mit dem steiermärkischen Klima kommen wir hier im Schneebergland niemals mit, was sich auch beim Zuckergehalt des Apfels zeigt. In guten Jahren kommt man mit dem Obst ein wenig näher an die Steiermark heran, aber nur mit viel Kostenaufwand, in schlechten Jahren kam man den erzielbaren Preis nur vergessen.

 

Nun wir haben trotzdem unsere Bio - Äpfel und Kirschen nicht schlecht verkauft, ein steirischer Obstbauer würde darüber aber nicht einmal lachen.

 

Wir setzen daher auch immer mehr auf die Ribisel, die keine besonderen Ansprüche an den Boden stellt und wo man durch genug Wasser, passende, unkrautfreie Böden und insbesondere mit der Sorte "Rovada" im Schneebergland recht gut mit der Konkurrenz mithalten kann. Auch dankt es die Rovada auf sehr sonnigen Plätzen genug Licht zu bekommen mit sehr grosse Früchten und schon auffallend langen Rispen. Für einen Kg Rovada erzielen wir derzeit Preise um die EUR 8,00, nur sollte man alles im Familienbereich ohne Personal erledigen können.

 

Ein anderes "Produkt" sind die gelben Fisolen, die überhaupt kein besonderes Klima verlangen und für die man, wenn man eine Erfahrung von 20 Jahren hat, durchaus ähnliche Preise wie bei der Ribisel erzielen kann.

 

Wenn man nur mit einem kleinen Traktor arbeiten kann, wie wir, und das meiste echt noch händisch erfolgt, sind bald die Grenzen erreicht. Beim Personal, das wir so nötig brauchen würden, muss halt gesagt werden, Österreicher machen diese Arbeit überhaupt nicht und gute ausländische Arbeitskräfte, bei denen man alle gesetzlichen Anmelde-Pflichten einhält, können wir uns derzeit schlicht und einfach nicht leisten. Wir werden sehen, wie weit wir mit Obst-, Ribisel- und Gemüseanbau rein als kleiner Familienbetrieb kommen können.

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© Walter Dreischütz